DER BLAUE VOGEL BERLIN – FILM

Er landet, wo ihn kein GPS orten kann, er ist von keinem Gesichtserkennungs-Algorithmus erfassbar und fliegt zwischen Russland und dem Westen hin und her. Er ist wahrscheinlich Anachronist oder womöglich Anarchist! Aber warum sollte der Blaue Vogel nicht gerade jetzt fliegen?

Geschichte I

Der Blaue Vogel – in der 1920er Jahren war das in Berlin ein „Cabaret“ der Exil-Russen unter Igor Jushny, der nach eigenem Bekunden „1920 in Moskau gestorben und 1921 in Berlin geboren“ war. Auf der Bühne wurde Welttheater im Taschenformat geboten. Vom „Blaue Vogel-Jäger“ Kurt Tucholsky bis Else Lasker-Schüler inspirierte es viele Künstler und riss das Publikum zu Begeisterungsausbrüchen hin.

„Ich liebe den Blauen Vogel!“ Alfred Polgar

„...Sie opfern für eine Miniature nicht weniger Zeit, Arbeit und Geist als für ein ganzes Schauspiel nötig wäre, - alles nur, um einige Minuten lang durch Licht, Gestus, Farbe, Bewegung, Ton die Sinne, die Seele zu fesseln.“ Ferdinand Haager 1924

„Man schwört angesichts dieser Dinge auf den Kubismus. Hier passt das Schema. Es bringt einen Modernismus von märchenhafter Prägnanz hervor: Unwiderstehlich. Die Russen sind bisher die einzigen glücklichen Erben der europäischen Kunst. Sie sind dem übrigen Europa an Takt überlegen...“ Julius Meier-Graefe

„Russland begann für uns Westler sanft zu tönen... Berlin, Hauptversammlung aller grauen Vögel, versucht seit der Bejubelung des „Blauen Vogels“ auf wilden Bühnen und auf dem Wege des Größenwahns farbenfroh und romantisch zu werden. Aber es ist ein Unterschied zwischen einem von Natur aus leuchtenden Vogel und einem Spatzen, der einmal in einen grellen Farbtopf geworfen wurde...“ Stefan Großmann 1924

„Es ist kein Zufall, daß wir heute gerade die russische Kunst schätzen. Sie ist der Ausdruck einer tiefen Sehnsucht, für die wir in der westeuropäischen Kunst keinen Widerhall mehr finden. Sie spielen einen ganzen Abend mit fast keinem Wort in der Sprache des Landes, wo sie sich befinden und man versteht sie doch, von Grund auf, wie man selten glaubt, verstanden zu haben. ...Was ist aber dieses Merkwürdige, daß dieses kalte, verwöhnte Publikum der europäischen Zentralen seine innere Reserve aufgibt um hier mitzufühlen...?“ Ferdinand Haager 1924

„Ich muss Ohren und Nase aufsperren vor dem, was sie da alles machen... Nein, das können wir nicht. Da packe ich neidlos ein.“ Peter Panter alias Der-Blaue- Vogel-Jäger alias Kurt Tucholsky

„Der Blaue Vogel ist das Herrlichste, was man hier in der Welt sehen kann!“ Else Lasker-Schüler

Geschichte II

Natürlich gibt es noch viele andere Geschichten vom Blauen Vogel wie zum Beispiel das Theaterstück von Maurice Maeterlinck - L'Oiseau bleu (1908)...

...Wenn man aber auf den Berliner „Blauen Vogel“ von vor hundert Jahren sieht, fällt auf, daß die Neugier auf die Menschen aus Russland damals groß war. Dagegen scheint man heute nichts positiv Überraschendes mehr von den Russen zu erwarten. Das ist schade, denn man findet dort immer noch Menschen, über die irgend so ein unverkäuflicher „Blauer Vogel“ hinweg fliegt. Je ernüchterter wir im Westen werden umso offensichtlicher ist, daß nicht nur die Russen uns brauchen (eine Hoffnung, die langsam erlischt), sondern wir brauchen sie, - und sei es nur, um von uns selbst wieder erstaunt zu sein...

1999 hatte „Der Blaue Vogel“ erste neuerliche Flugversuche unternommen. Zwischen Moskau und Berlin wurde der Abend „MUSA“ unter seinem Namen produziert. 2001/2002 folgte das Tanztheater „STADT GRANIZA“, uraufgeführt in der Akademie der Künste in Berlin. Irina Roerig, Autorin, Choreographin und Regisseurin dieser Arbeiten, lässt das Thema Russland, Osteuropa und der Westen nicht los. Seit 2002 macht sie Filme: 2003 wurde „RUSSENBUS“ (D, 104 Min) im Rahmen der Berlinale uraufgeführt. Mit dem Film „PATRIOTINNEN“ (D, 84 Min 2013) hat sie national und international viel Lob erhalten.

Mit DER BLAUE VOGEL BERLIN – FILM entsteht zur Zeit *KALININGRADER QUEST * SPIELFILM PROJEKT I * SPIELFILM PROJEKT II (siehe PROJEKTE )

MUSA (Tanztheater in zwei Akten von Irina Roerig - Produktion: Der Blaue Vogel 1999)

Moskau, Kulturnij dom, Berlin, Theater im Russischen Haus. „Eine Muse betritt die Erde, aber sie findet einfach keine Menschen, die von ihr geküsst werden wollen...“

STADT GRANIZA (Tanztheater in zwei Akten von Irina Roerig - Produktion: Der Blaue Vogel 2001/2002)

Musik von Frangis Ali-Sade
Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds
Mit Tänzern aus Moskau (Solisten des Musiktheaters Natalia Saz) und Berlin (Solisten der Komischen Oper Berlin), sowie Tänzern der Freien Szene
Uraufführung: Akademie der Künste Berlin, Zweite Spielserie: Kunsthaus Tacheles Berlin.

„Die eine Hälfte der Stadt ist mobiltelefonsüchtig, die andere Hälfte scheint kein andres Ziel zu haben als genau so zu werden. Währendessen beginnt eine aussichtslose Liebesgeschichte: Eine Frau, die das alles nicht will, muss einfach verrückt sein...“

RUSSENBUS (Dokumentarfilm 104 Minuten von Irina Roerig - Produktion: Axel-Brandt-Filmproduktion D 2003)

„36 Stunden dauert die Fahrt im Linienbus von Berlin nach Moskau. In der Auszeit während der Reise ist viel Raum für die Gedanken und Hoffnungen der Passagiere. Die einen sind Emigranten auf Heimatbesuch, die andren fahren zurück nach Hause und sind durch die gesellschaftlichen Umbrüche doch entwurzelt. Dieser Umstand macht sie zu wachen Beobachtern der Gegenwart im Osten wie im Westen. Wahrscheinlich werden sie sich nie wieder begegnen, doch für die Zeit der Reise sind sie eine Gemeinschaft: Natascha, die in Berlin lebende Schauspielerin, Juri, der ein Kind in Berlin hat, das er nicht treffen darf, Galina, die nach Deutschland gezogen ist, nachdem ihr Mann von der Mafia ermordet wurde, Alexej und Maxim, die Moskauer Breakdancer, die in Berlin auf der Straße Geld ertanzt haben, Nikolai, der Opernsänger auf Weg zu seiner Mutter...“

PATRIOTINNEN (Dokumentarfilm 84 Minuten von Irina Roerig - Produktion: Axel-Brandt-Filmproduktion D 2013)
russische Fassung «Три героини в поисках родины /Drei Heldinnen suchen ihre Heimat“
Ein Film von Irina Roerig mit ELENA FROLOWA und der Stimme von IRIS BERBEN
Webseite zum Film

„Wer Russland heute verstehen will, kommt an MARINA ZWETAJEWA nicht vorbei: Die Dichterin, die vor 100 Jahren mit Lust den Tabubruch betrieb, hat dort längst Kultstatus. Elena Frolowa, die Sängerin, steigt wie ein weiblicher Orpheus in die Tiefe der Vergangenheit, um ihrer Eurydike Zwetajewa zu neuem Leben zu verhelfen. Zwetajewas Gedichte verwandelt die Musikerin in ausdruckstarke Lieder und beatmet damit die verlorene Epoche vor der Russischen Revolution. Die mystische Umarmung zwischen Sängerin und Dichterin über die Zeit des Sozialismus hinweg ist der aufrechten Sozialistin und Mutter der Sängerin Maja Frolowa nicht geheuer. Superkapitalismus, Sowjetunion, Zarenzeit: Drei Frauen in drei russischen Systemen. Jenseits der Macht ringen sie jeweils um ihr eigenes Russland. Marina Zwetajewa: "Ich hasse mein Jahrhundert, weil es ein Jahrhundert der organisierten Massen ist! Ich habe das Recht, nicht mein eigener Zeitgenosse zu sein.“

Iris Berben: „Was für ein wunderbarer Film!“

Tatjana Tschagina, Goetheinstitut Moskau: „Der Film ist einfach erschütternd stark. Ein episches Gemälde. Am Ende flossen die Tränen, das gab es schon lange nicht mehr...Danke für die Aufrichtigkeit und Schönheit. Danke dem Kameramann für die wunderbare Arbeit...“

Webseite Stadt Elabuga/Tatarstan: „Ein ungewöhnliches und aufwühlendes Ereignis fand heute Abend statt: Der große Saal der Universität war voll besetzt und man kann mit Sicherheit sagen, daß der Film "«Три героини в поисках родины /Drei Heldinnen suchen ihre Heimat/Patriotinnen“ der Regisseurin Irina Roerig bei allen Zuschauern einen großen Eindruck hervorrief. (...) Im Film sind nicht wenige durchdringende, die Kehle zuschnürende Momente, die in den Augen der Zuschauer Tränen hervorrufen. Und Tränen bekam auch Irina Roerig in die Augen, als die weltbekannte Schriftstellerin und Zwetajewa-Kennerin Irma Kudrova nach der Vorführung sagte: „Wir sahen heute einen äußerst starken Film: Es ist der beste Film über Zwetajewa. In Russland wurde dergleichen nicht geschaffen.“

  • Süddeutsche Zeitung: „Der erste Hund, den Du streichelst... - Ein großartiger Film über Marina Zwetajewa.“
  • Märkische Allgemeine Zeitung: „...der ganz und gar wunderbare Dokumentarfilm „Patriotinnen“...“
  • Helga Reidemeister: "Der Film ist bewegend - habe ihn zweimal gesehen, ist nicht genug, - so reichhaltig und vielschichtig sind Inhalt, Form und Tonebene."
  • Manfred Behrens, WDR: "Ich gratuliere herzlich zu diesem Film – zeigt er doch, dass es im allgemeinen Wahnsinn doch noch so etwas wie Augen- und Ohrenöffnendes geben kann.“
  • Knut Elstermann, "Zwölf Uhr mittags" radio eins RBB, 6.9.2014: „Wunderbar, dass in diesen Zeiten ein anderer Blick auf Russland möglich wird.“