Kaliningrader Quest


KALININGRADER QUEST

Eine Gralssuche im 21. Jahrhundert. Ein Neuanfang nach dem Chaos. Ein Kaleidoskop, in dem Fragmente von Weltbildern, Splitter aus manchmal schon untergegangenen Wirklichkeiten, unterschiedliche virtuelle Welten aufeinander stoßen. Doch die Gedanken, die an diesem Ort schon einmal entwickelt wurden, halten die zersplitterte Gegenwart doch zusammen: Immanuel Kant, der bald seinen 300. Geburtstag feiert und der mit seinen Gedanken über Freiheit und Verantwortung von hier aus die Welt veränderte, ist für die Bevölkerung in Kaliningrad so etwas wie ein ewiger Zeitgenosse. Schon seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion sind hier die Menschen geübt, sich zwischen einer sichtbaren russischen Stadt – Kaliningrad – und einer unsichtbaren deutschen Stadt – Königsberg – zu bewegen. Kaliningrad ist ein Raum, der die individuelle Vorstellungskraft herausfordert. Dokumentarisch gedrehte Protagonisten kreisen auf Kants Spuren um die Betonruine aus der Sowjetzeit, die sich an der Stelle des Königsberger Schlosses auf dem Hügel über dem Fluss Pregel erhebt. Eher unbeabsichtigt geraten sie in die Spiel-Zone eines Computerspielers, der als Parzival gerade seine virtuellen Heldentaten vollbringt. Doch auch der Mythos aus fernen Zeiten, in den der Spieler zu flüchten hofft, führt ihn unausweichlich zur Kantischen Frage über das menschliche Sein, zu einer Gralssuche jenseits des Spiels. „Wer trägt die Verantwortung für die Menschheit? - Nach Kant ganz einfach: Ich!" - sagt Wladimir Gilmanov, Philosoph und Professor in Kaliningrad.

Alexander Popadin, Schriftsteller und Publizist:

„Wir sind daran gewöhnt, daß in jedem alten deutschen Haus ein paar unsichtbare Zimmer sind, in denen irgendwelche Gespenster leben. Ich habe selbst oft die Empfindung, daß sie irgendwo sind und über so einen gesonderten Gehörgang einem von Zeit zu Zeit etwas zuflüstern. Bei den Kaliningradern ist das so: Wir sind daran gewöhnt, mindestens in zwei Ebenen der Wirklichkeit zu leben. Mindestens in zwei, vielleicht auch in noch mehr...“

Wladimir Gilmanov, Germanistikprofessor an der Kant-Universität Kaliningrad & Philosoph:

„Ich vertraue schon längst mehr meinem Vermögen sich vorzustellen, was nicht mehr sichtbar ist. Kant hat sich auch damit beschäftigt in der dritten Kritik und er hat uns auch gewarnt: Die Einbildungen lassen sich in der Regel verwirklichen, erstens sind sie keineswegs zufällig und zweitens zeigt sich in diesen Imaginationen die Zukunft. Wie die Zukunft ausgestaltet wird, darüber müssen wir schon selbst entscheiden...

Die Freiheit macht uns weltbürgerlich miteinander, denn in meiner Freiheit wirke ich als der wahre Mensch in mir, der von Kant von Anfang an mit der gesamten Menschheit verbunden ist. Falls ich die Freiheit nur für mich anwende, dann zerreiße ich die Menschheit - in eine blinde desorientierte, auseinanderlaufende Menschheit, welche die Ganzheit des gegenseitigen Menschenseins zerstört, als auch – nach Kant – die Natur.

Arthur Sarnitz, Architekt:

Lasst uns von einer Zukunft träumen, die uns wieder vereint. Ich glaube, keine andere Stadt, - nicht Moskau, nicht Berlin, nicht Madrid und nicht Wladiwostok - ist so geeignet uns wieder zu einen wie dieser Ort hier....Virtuell ist hier alles noch vorhanden. Wenn wir in die Tiefe graben, finden wir das Fundament, finden die Steine, die Uferbegrenzungen, sehen die alten Bäume, die bis heute wachsen.“

Kaliningrader Quest
Musik:
  • John Schigol
  • Franz Xaver Gebel
  • Richard Wagner

    Erzählerin:

  • Iris Berben

    Animation, VFX und Farbkorrektur:

  • Fabian Ferley

    Mit: 

  • Wladimir Gilmanov (Germanistikprofessor)
  • Arthur Sarnitz (Architekt)
  • Alexander Popadin (Schriftsteller)
  • John Schigol (Komponist und Technostar)
  • Alexander Korobeinnikov (Kranführer)

    und Schauspielern des Drama Theaters Kaliningrad:

  • Sergej Borisov
  • Liubov Orlova
  • Elena Nosireva
  • Anton Sacharov
  • Maxim Pazerin
  • Anton Kontuschev
  • Oleg Jakovenko
  • Gennadij Filippovic u.v.a.

    Buch&Regie:

  • Irina Roehrig

    Kamera:

  • Axel Brandt
  • Evgenij Kaligin
  • Nikolai Zhloba

    Ton:

  • Sergej Korobeinnikov
  • Ramil Davletschin

    Kostümentwurf:

  • Kostümkombinat Berlin

    Kostümherstellung:

  • CLAUDIA SKODA
  • Dana Mikelson
  • Lili Mendelsohn

    Computeranimation/VFX:

  • Holger Bück

    Produktion: DERBLAUEVOGEL.BERLIN – FILM D 2018

  • Kaliningrader Quest

    Hintergrund „KALININGRADER QUEST“

    Bei meinem letzten Film „Patriotinnen“ (D, 2013, 84 Minuten) wurde mir vom Publikum sowohl im Westen als auch in Russland in oft überschwänglicher Weise bestätigt wie notwendig für beide Seiten die westliche Neugier auf die Kultur Russlands ist. Der Film „KALININGRADER QUEST“ entsteht nun in einer Gegenwart, in der man denken könnte, daß es zu spät sei für jedes Verständnis: Mit den rechten Populisten in Deutschland warten die falschen Freunde an der Seite Russlands auf und auch in Russland selbst finden Entwicklungen statt, welche befürchten lassen, daß man dort die Hoffnung auf eine gemeinsame europäische Sprache inzwischen enttäuscht aufgegeben hat.

    Das erste Mal kam ich 2014 nach Kaliningrad. Es war sofort klar: Wenn es einen Ort gibt, an dem Frieden und gegenseitiges Verstehen zwischen dem Westen und Russland neu erwachsen werden, dann hier. Die Voraussetzungen sind nirgendwo günstiger: Schon seit der Perestroika befinden sich die Russen in Kaliningrad in einem lebendigen inneren Dialog mit den unsichtbaren Philosophen, Dichtern und Schriftstellerinnen, Künstlern und Künstlerinnen des alten Königsberg. Und während bei uns Kaliningrad für Manche in weiter Ferne - irgendwo bei Wladiwostok – liegt, befassen sich sehr viele Kaliningrader mit der unter ihren Füßen verborgenen deutschen Geschichte: Sie sind uns sehr nah. Oder besser gesagt, kennen sie ihre und damit unsre kulturellen Grundlagen bestens...

    Wladimir Gilmanov
    Der Film hat keine Förderung erhalten und ist ohne Sender entstanden. Nur Dank einer privaten Spende und der Begeisterung Vieler konnte ich in insgesamt acht Reisen über drei Jahre verteilt den Film drehen und damit „langsame Sensationen“ schaffen: Manche Szenen entstanden unter waghalsigen Bedingungen. Die Überzeugung aller Beteiligten für die Notwendigkeit des Projekts beflügelte die gesamte Arbeit.

    Auch in Gesprächen mit Menschen in Deutschland stelle ich fest, daß das Thema eigentlich alle berührt, die eine Veränderung der Gesellschaft nicht den Rechtspopulisten überlassen wollen. Für mich ist der Film politisch, auch wenn er einen philosophischen Weg wählt. Und so wie die Russen hier einmal nicht im Blickfeld stehen, sondern selbst betrachten und gehört werden, ist KALININGRADER QUEST unversehens auch ein Film über Männer geworden, die aus einer weiblichen Perspektive beleuchtet werden.

    Kaliningrader Quest
    Bei der Projektion des 90-minütigen Films KALININGRADER QUEST am 21.11.2018 um 19:00 Uhr im ehemaligen Stummfilmkino Delphi wird der Film in der kompletten Fassung zu sehen sein, die jedoch eine Rohfassung ist: Farbkorrektur, eventuelle zusätzliche Effekte und eine vollständige Synchronfassung werden erst durch ein erfolgreiches Crowdfunding möglich sein. Das Publikum wird bei diesem Ereignis selbst Teil des Films. Der Kaliningrader Komponist John Schigol wird die Filmmusik live einspielen. Die deutsche Sprach-Fassung wird live von einer Schauspielerin gesprochen. Die Reaktion des Publikums und die Diskussion nach dem Film sind ein wichtiger Bestandteil des Prozesses der Filmherstellung. Gleichzeitig zur Veranstaltung startet das Online-Crowdfunding für die Finanzierung von KALININGRADER QUEST. Den Film soll es in einer deutschen, einer russischen und einer englischen Fassung geben.
    pielfilmprojekt I

    Spielfilmprojekt I

    Spielfilmprojekt I

    Spielfilmprojekt II